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Stent

Der Begriff "Stent" ist erfahrungsgemäß vor allem älteren Männern ein Begriff: Jeder, der einmal einen Herzinfarkt hatte – oder jemanden kennt, der jemanden kennt – weiß, dass ein Stent irgendetwas ist, was man eingebaut bekommt, und danach geht es einem besser.

 

Stent

Stents – oftmals Hilfe nach einem Herzinfarkt

 

Was genau ein Stent eigentlich ist – das wissen die wenigsten. Wie man das Wort "Stent" überhaupt schreibt, liegt meist schon außerhalb des eigenen Kompetenzbereichs. Selbst Medizinstudenten gehen jahrelang davon aus, dass es sich um einen "Stand" handeln müsse, bis sie es einmal irgendwo anders geschrieben sehen. Etwas allgemeine Aufklärung zu diesem Thema schadet also niemandem.

Mit "stehen" oder "Stand" hat das nämlich gar nichts zu tun – Stent ist tatsächlich der Nachname eines englischen Zahnarztes, der im späten 19. Jahrhundert das Prinzip des später nach ihm benannten medizinischen Implantats erfunden hat.

Wie der Stent aus der Zahnmedizin in die Kardiologie gekommen ist – darum soll es auf den folgenden Seiten gehen. Auch in anderen medizinischen Bereichen werden Stents genutzt, vor allem in der Onkologie (Krebstherapie). Und schließlich ist das Thema Stent auch noch ein sehr aktuelles: Neue Entwicklungen mit verheißungsvollen Namen wie "Healing Stents" sind auf dem Wege und könnten in naher Zukunft für Therapiefortschritte beim Herzinfarkt sorgen.

 

Was also ist ein Stent?

Der Begriff "Stent" bezeichnet ein medizinisches Implantat, welches in Hohlorgane eingebracht werden kann, um diese dauerhaft offen zu halten. Man könnte sagen, ein Stent ist eine Gefäßstütze. Das Prinzip ist dabei dasselbe wie bei einem Stützpfeiler, mit dem ein Bergwerkstollen offengehalten wird – nur etwas filigraner.

Ein Stent ist meist ein kleines dreidimensionales Gerüst in Röhrchenform mit einem Gitternetz rundum, welches aus Metall oder Kunstfasern besteht. Zur Einbringung in den Körper ist dieses Geflecht meist komprimiert – erst am Ort seiner Bestimmung wird es über einen simplen Mechanismus von außen entfaltet und gewährt dann in seiner Mitte einen Durchgang, durch den dann – je nach Einsatzort – Blut, Luft oder Darminhalt wieder ungehindert passieren kann.

Stents werden in Blutgefäßen verwendet zur Therapie von akuten Herzinfarkten, chronischer koronaner Herzerkrankung und anderen Durchblutungsstörungen. Des Weiteren finden sie Anwendung zur Linderung von Leid in der Onkologie, wenn bösartige und nicht mehr operable Tumoren lebenswichtige Versorgungswege wie die Speise- oder Luftröhre einengen.

 

Wie der Stent entwickelt wurde

Medizinhistorisch geht das Wort "Stent" auf einen englischen Zahnarzt zurück: Charles Stent entwickelte 1856 ein Material oder eine Gerätschaft, welches in der Mund-, Kiefer-, und Gesichtschirurgie zur Formung von Abdrücken von Zähnen und Gebiss benutzt werden sollte. Dieses Material diente fortan der plastischen Rekonstruktion nach Gesichtsverletzungen. Aus dem ursprünglichen "Offenhalten von Gesichtsformen" wurde dann nach allgemeiner Ansicht irgendwann ein "Offenhalten" von Körperöffnungen und Hohlorganen; der Name "Stent" jedoch blieb im Gespräch und wurde irgendwann zum Eigennamen.

Der erste faltbare und sich selbst erweiternde Stent der Welt wurde 1986 von Ulrich Sigwart in Lausanne verwendet. Das heutige Modell, welches sich mittels eines Ballons entfaltet, geht auf die Forschungsgruppe von Julio Palmaz zurück.

 

Stent und Ballon

Stent mit Ballon

 

Eine andere Erklärung des Begriffes "Stent" bietet übrigens das Oxford English Dictionary: Das Wort "stenting" bezeichnete demnach jahrhundertelang das Versteifen und Stärken von Kleidungsstücken. Laut Merriam Webster Third New International Dictionary stammt dieses Wort wiederum aus dem Mittelenglischen "stenten" für "extenten" (lateinisch "extendere"), was dann soviel wie "erweitern", "ausziehen" oder "verlängern" bedeutet und am Ende ziemlich genau die heutige medizinische Anwendung beschreibt.

 

Wir zeigen Ihnen auf den folgenden Seiten:

 

die verschiedenen Anwendungsgebiete von Stents

was bei einem Herzinfarkt passiert

wie die Therapie eines Herzinfarktes mittels Stents geschieht

welche Alternativen zu einem Stent bestehen

welche verschiedenen Stents existieren und aus welchen Materialien sie bestehen

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